Nordfriesland Tageblatt - by Ursula Konitzki - 20 march 2012

Unbegrenzte Weiblichkeit und freigelegte Emotionen

AVENTOFT | Mit Skulpturen und Grafiken der gebürtigen Hamburgerin Judith Heinsohn setzt die Galerie “haw” ihre Werkausstellungen auf gewohnt hohem Niveau fort. Die Ausstellung in der Galerie eröffnete die Künstlerin der Gruppe “haw” Helga Olufs.

Judith Heinsohn, seit 1987 in Amsterdam beheimatet, hat in Holland an der “Gerrit Rietveld Academy” Bildhauerei studiert und dort später als Gastdozentin unterrichtet. Die 44-jährige Künstlerin verwirklicht ihre Ideen und Vorstellungen von Plastiken vorwiegend mit Schwarz- und Rot-Ton, den sie gelegentlich miteinander vermischt oder Farbpartikel hinzufügt. Auf das Lasieren nach dem Brennen verzichtet sie. Durch das Reißen des Materials während des Brennvorgangs entsteht der Eindruck von Verletzlichkeit. Judith Heinsohn: “Je länger man an den Skulpturen arbeitet, desto realistischer wird das Ergebnis.” Man müsse rechtzeitig ein Ende finden bei der Gestaltung. Freimütig erklärt sie, dass sie mit ihren Skulpturen spricht und gelegentlich sogar mit ihnen tanzt.

Die Gegenüberstellung der Collagen und Skulpturen hat etwas enorm Ästhetisches. Raum und Wände in der Licht durchfluteten Galerie entfalten eine Dynamik, der sich kaum ein Besucher entziehen kann. Die sympathische Bildhauerin betitelt ihre Ausstellung “Die Schleier lüften”. “Schleier mit ihrer Durchsichtigkeit haben etwas Erotisches”, sagt Judith Heinsohn und Erotik sei ein großes Thema in ihren Arbeiten.

Die Bildhauerin richtet den Fokus nicht allein auf die Oberfläche der Wesen und Dinge, sondern durchdringt sie mit suchendem Blick nach der inneren Wahrheit hinter der Fassade. Sie lüftet die Schleier, unter denen sich Emotionen verbergen. Gefühle wie Stolz, Selbstbewusstsein, Angst, Freude, Hilflosigkeit und Verzweiflung werden sichtbar gemacht. Eine der Figuren drückt mit ihren vielen Brüsten eine Erfahrung aus, die Judith Heinsohn bei afrikanischen Frauen gemacht hat, nämlich, dass “sich Weiblichkeit nicht begrenzen lässt”. In den Ton eingearbeitete Scherben bei einer anderen Skulptur zeugen von der Zerbrechlichkeit des Menschen.

Die Ausstellung in der Galerie “haw”, Dorfstraße 13, Aventoft, läuft bis zum 29. April. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 11 bis 14 Uhr oder nach Vereinbarung, Telefon 04664/1331.

– Quelle: https://www.shz.de/135136